"Sommer 2014" oder "Die vier Jahreszeiten"

Was will man sehen, erfahren und erleben? Welche Schönheiten der Natur möchten wir erwandern und anschauen? Gibt es besondere Besichtigungs- oder Museumsangebote? Können wir mit "France passion" bislang nicht besuchte Gastgeber anlaufen?

Wandern ... baden ... Stadtbummel ... Märkte besuchen ... fotografieren ... lesen ... relaxen ... Versteinerungen suchen ...... am besten eine Kombination aus all diesen schönen Dingen!

Klar, wir müssen die Bedürfnisse aller Reisemitglieder achten und respektieren. So passen wir uns auf dem beengten Raum eines kleinen Wohnmobils schnell an gewohnte und eingespielte "Tagesrituale" an. Die Liegeplatzfrage haben die drei Damen klar geregelt, das morgendliche Begrüßungstamtam und das Frühstück und der Gassigang vollziehen sich stets nach gleichem Muster. Dennoch bieten sich fast täglich neue Orts- und Wettereindrücke - das ist für Hunde auf Reisen nicht leicht. Daher werfen wir an einigen schönen Flecken länger Anker und verbringen die nötigen Entspannungstage!

Zur Tour - wir nächtigen an 14 unterschiedlichen Orten, sind etwa 3 1/2 Wochen unterwegs und fahren gemütlich ca. 2600km weit. Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich durchfahren wir in allen erdenklichen Höhenlagen und es wird uns eine bunte Palette der feinsten Wettererscheinungen geboten. Hitze, Mistralsturm, Hagel, Gewitter, Starkregen, Schnee und Minusgrade - eine Reise durch die vier Jahreszeiten - hier unser Bericht ...... viel Spaß beim Lesen.

Erster Zwischenstopp in Lorsch. Inou findet ein kaputtes Treckerschild. Das Schild nehmen wir in unsere umfangreiche Sammlung verlorener, abgeschossener oder verrosteter Hinweistafeln auf. Beim Hundegang durch die Felder (Tabakanbau) wird stets das Herankommen mit der ganzen Bande geübt. Brombeeren finden sich am Wegesrand, die umgehend verspeist werden. Am nächsten Morgen schauen wir uns die Klosteranlage (UNESCO Weltkulturerbe) an.

Basel - oft passiert aber nie angeschaut, also: Anker werfen. Unmittelbar am Rheinufer dürfen wir mit dem Wohnmobil für kleine 2 € übernachten. Die Altstadt ist in 10 Minuten erreichbar. Wir bewundern den Flair, die phantastischen Einkaufsmöglichkeiten (Markttag!), den Dom und das historische Rathaus (Spitze!). Leider sind die Brunnen für den Hundetankvorgang ein wenig zu hoch gebaut - Annette gibt Hilfestellung.

Der abendliche Ausblick auf eine Rheinbrücke und oben links der Basler Dom, gesehen vom Stellplatz an der Uferpromenade.

Durch die Schweiz führt uns der Weg nach Montreux. Mal ein paar Eindrücke von dieser mondänen Stadt am östlichen Ende des Genfer Sees mitnehmen - dachten wir. Alles zugenagelt, keine Parkchance, Trödelmarkt und das weltbekannte Jazz-Festival zwingen uns zur Weiterfahrt. Am Südufer des Sees biegen wir in Thonon-les-Bains auf die große Alpenroute, die in Nizza endet. Eine Besichtigung der Schlucht an der Teufelsbrücke bietet Gelegenheit, Abkühlung zu finden. Ein France-Passion-Bauernhof in Praz-de-Lys (am Ende der Welt) lädt uns zwei Tage zu Wanderungen (Blumenzauber) und abendlichen Gaumenköstlichkeiten ein.

Bedingt durch die dünne Höhenluft entwickeln die drei schwarzen RS wildschweinähnliche Verhaltensmuster. Besuch am Wohnmobil. Vorsicht: Füttern verboten!

Das Wetter meint es weniger gut mit uns. Nur in Regenpausen können wir ein paar Stunden trockenen Fußes laufen.

Wir ziehen weiter und rasten auf einem Stellplatz in knapp 1900m Höhe. In der weiteren Umgebung finden sich lediglich eine Alpenvereinshütte (CAF) sowie weiter oben der Hof des Gastgebers. Eine herrliche Berglandschaft kann jedoch nicht davon ablenken, dass wir eines Morgens eingeschneit sind.

Vorbei an Val d´Isere (Wintersportorte im Sommer sind nicht schön) klettern wir über den Iseran-Pass. Gelegenheit für Inou (erstmals) und die Altvorderen eine Schneesause zu veranstalten.

Ein einfacher, aber sehr schön gelegener Zeltplatz in Bessans dient dann für drei Tage als Wanderstützpunkt. Anmeldung und Sanitäreinrichtungen sind in (nagelneuen) Containern untergebracht - eine Lawine hatte ein Jahr zuvor die Ersteinrichtung abgeräumt.

Annette spezialisiert sich auf die Fotografie der prächtigen Flora. Am Rande bzw. inmitten der französischen Nationalparks (Vanoise, Queyras, Ecrins, Mercantour) findet sich denn auch eine entsprechende Fülle der herrlichsten Pflanzenspezies. Mit Hunden ist allerdings der Zutritt in die Parks streng verboten - selbst angeleint wird der Zugang verwehrt!

Um die historische Festungsstadt Briançon (Baumeister Vauban) zu erreichen wählen wir den Weg über den Col de Mont Cenis, Italien (Susa) und den Col de Montgenévre. Regen begleitet uns auf der gesamten Strecke. Das erhoffte Alpenpanorama verbirgt sich in dicken Wolken. Die Stadt erkunden wir in strömendem Regen, ein Kaffee wärmt uns wieder auf. Die Stadt kann gefallen, der Stellplatz zur Übernachtung jedoch weniger (überfüllt, laut, ungemütlich). Nach der Fahrzeugbetankung und einem Lebensmitteleinkauf laufen wir nahe Guillestre, unterhalb des Mont-Dauphin, die Fromagerie de la Durance an, bei der wir einen wunderbaren Übernachtungsplatz finden. In den vorbeirauschenden, reißenden Gebirgsbach können wir die Hunde zwecks Abkühlung leider nicht hineinlassen, wenngleich wir nun endlich die ersehnten Sonnenstrahlen einfangen können.

PS: .... der Bergkäse der oben genannten Käserei ist eine Wucht !!!

Rauf auf den Col de Vars und herunter ins Tal der Ubaye werfen wir in Barcelonette wieder Anker. An der Passhöhe eröffnet sich für kurze Momente ein atemberaubender Rundumblick in eine umwerfende, schroffe Bergwelt der 3000er. Gegen Mitternacht dann eine SMS ..... Deutschland ist Fußball-Weltmeister!

Am nächsten Morgen gehts dann wirklich ans Eingemachte - die Michelinkarte zeigt den Weg rauf zum Col d´Allos als kleine gelbe Straße. An der Zufahrt wird der Weg nur für Fahrzeuge bis 3,5t Gewicht freigegeben. Das passt. Käme jetzt ein ähnliches Dickschiff auf Abwärtstour entgegen, dann ....... Wir haben Glück und mindestens 1 kg Körpergewicht durch Schwitzen verloren. Was sollen da wohl die ungezählten Radsportler (aus allen Staaten der Welt) sagen, die wir auf der gesamten Strecke tausendfach bewundern? Wieder bleiben wir in einem absolut empfehlenswerten Städtchen: Colmars. Essen im Hotel de France klasse - Stadt klasse - Stadtmuseum klasse - Feuerwehrfest mit Musik (bis 2.00 Uhr), Grill und Feuerwerk klasse - morgendlicher Markt klasse - Wanderung zum Wasserfall klasse. Was will man mehr.

Entlang des sich in die Niederungen stürzenden Verdons wollen wir einer Suchempfehlung folgend, Ammoniten suchen. Vorsicht: Suchen und aufheben erlaubt, rummeißeln und hämmern verboten! Wie immer hat Annette entsprechende Prachtstücke freudestrahlend gefunden. Der Stellplatz in St. Andre am Verdonsee (Lac de Castillon) ist sehr dürftig. So spült es uns auf einen Camping a la ferme nahe Castellane. Bei Familie Cauvin sind wir herzlich willkommen, finden in 10 Minuten Fußweg einen tollen Badesee und können den hausgemachten, phantastischen Ziegenkäse für unsere Salatmahlzeiten genießen.

Castellane ist eine typisch provencalische Stadt, recht touristisch aufgemacht, aber immer noch sehr sympathisch. Am Badesee finden wir eine Badestelle, an der wir ungestört mit den drei Schwarzkitteln schwimmen können, zumal die Wettervoraussetzungen mittlerweile sommerlicher waren (richtig heiß wird es in einer Meereshöhe von 1000m nicht wirklich).

Angeschwemmte Baumstämme sind ein hervorragendes Wasserspielzeug.

Inou hat sich zu einer fleißigen Schwimmerin entwickelt und hilft der Großmutter Eyka stets bei der Bergung der Holzstücke.

Hunde auf Reisen: hier zwei Beispiele. Links ein Pudel aus der Schweiz, der in einer Spezialtasche auf dem Motorradtank mitfährt. Rechts, das kennen wir ja schon ...... die zu hoch gebauten Brunnen (siehe Basel).

Nachdem wir uns hinreichend gut entspannt hatten, packte uns erneut das Wanderfieber. Bauernhofcamping ade !

Über die D 952 oberhalb des Verdons und mitten durch die urig-felsige Karstlandschaft geht die Fahrt. Wir verweilen, nach schwieriger Schattenparkplatzsuche, zwei Stunden für eine Stippvisite in Moustieres-St.-Marie. Eines der schönsten Dörfchen Frankreichs, liest man. Stimmt. Kleine Einschränkung: Ich nenne es mal "gut besucht".

Dann zieht es uns zu den Lavendelmeeren auf das Plateau de Valensole. Vor Jahren waren wir bereits bei einer Destillationsfabrik bei einem France-Passion-Gastgeber gewesen. Wir finden einen Traumplatz, umgeben von Bienengebrumm und Lavendelduft.

Der geniale Rundblick ist umwerfend. Luberon, Signal de Lure, Mont Ventoux und die Montagne de St. Victoire umfassen die Hochebene. Die Sonnenuntergänge sind von der Kategorie "empfehlenswert".

Kleiner Nachteil an diesem wunderbaren Erdenfleck: die Hartgraswiese ist ein "Klettenfüllhorn" - abendliches Auskämmen hunderter Kletten aus dem Schnauzerfell ist dringend geboten.

Klar, bei einer Kirchenbesichtigung müssen wir getrennt gehen, einer muss stets aufpassen. Der Ort Valensole ist ebenfalls sehenswert, wenngleich manche Ortsteile aussehen, als müsste man sie arg sanieren.

Die Stoppelfelder sind ausgezeichnete Hundespielplätze und die Halme kratzen prima, wenn "hund" sich darin wälzt.

Bei der Fahrt runter von der Hochebene ins Durancetal beobachten wir in den bienenumschwärmten Lavendelplantagen sehr viele, vornehmlich asiatische Touristen, die sich in diesem violetten Ozean aus Duftblüten ablichten. Der Weg führt uns nach Mane, zum Kloster Salagon, nahe Forcalquier. Die Gartenanlagen sind sehenswert, die mittelalterlichen Bauten sind ebenfalls eine Reise wert. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz führt uns dieses Mal nach Redortieres. Ein Imker bietet uns Herberge (Anwesen im erstklassigen Zustand, erbaut 1701). Supernett! Der abendliche Spaziergang im Nirgendwo (soll heißen, kein weiteres Haus weit und breit) geht wieder einmal durch ..... Lavendelfelder.

Am nächsten Morgen können wir noch die maschinelle Ernte der gegehrten Blüten beobachten. Weiter nach Sault - für Hunde kein gutes Pflaster ..... zumindest auf dem Bouleplatz. Hier bummeln wir durch den Ort, gönnen uns ein Essen und fassen dann den Entschluss, einen lange gehegten Traum zu verwirklichen. Eine Übernachtung auf dem Gipfel des Mont Ventoux, samt Sonnenaufgangsszenario.

Die knapp 20km lange Auffahrt zum Gipfel (1912m) nutzen wir zu einem Wanderstopp und Gassigang. Es deutet sich ein Unwetter an. Wir zweifeln an unserem Vorhaben, setzen aber die Fahrt fort. Oha! Gewittergrollen unter uns, Regen ohne Ende und Sturm sowieso. Nicht eine Menschenseele oben am Gipfelturm. Ungemütlich. Sonnenaufgang am nächsten Morgen ..... unwahrscheinlich. Schade - unser zweiter Anlauf wieder einmal erfolglos. Also runter Richtung Malaucene. Stellplatz im Ort ist voll (außerdem häßlich). France-Passion bietet 5 km weiter Unterkunft bei einem Obstbauern. Treffer. Zwar an einer großen Straße gelegen, aber nachts ist es ruhig.

Tja, dann zieht es uns doch wieder in unser geliebtes Beaumes-de-Venise und die Dentelles-de-Montmirail ... alte Liebe rostet nicht. Auf dem Camping municipale Roquefiguier (absolut okay) stehen wir ideal und genießen den Komfort. Im Ort tobt der Bär ..... Kirmes mit allabendlichen Konzerten von 22.00 - 2.00 Uhr. Bewährte Wanderungen bei gutem Wetter führen uns vorbei an Weinfeldern und auch zu unseren Such- und Sammelstellen für Ammoniten. Wir finden auch etwas!

Die kleine Salette, ein Bächlein oben aus den Dentelles, führt genügend frisches Wasser um den Schwarzen ein morgendliches und abendliches Badevergnügen zu ermöglichen. Inou kann locker über ihre Artgenossen springen, um im kühlen Nass zu toben. Links ist eine Lieblingsstelle zu sehen, von der aus wir einen weiten Blick hinüber zu den Alpilles (St. Remy-de-Provence) haben.

Dann heißt es aber mal wieder Abschied zu nehmen und langsam aber sicher Kurs Richtung Heimat anzulegen. Der Weimaraner-Rüde, mit dem unsere Damen die Badestelle zwar geteilt haben, wollte seinen Kauknochen wohl eher nicht teilen. Gerne hätten die Hunde aber noch weiter ihren Badespaß fortgeführt.

Eine letzte Übernachtung (für 16 CHF) legen wir am Lac de Neuchatel in St. Blaise ein. Einer der wenigen Stellplätze, die in der Schweiz angeboten werden (laut, Autobahn, Zuglinie), aber nett gelegen. Die gesamte Rückfahrt regnet es wie aus Eimern.

Ja, so war unsere Erlebnis- und Erholungssommerfrische - Bestnoten für ALLE !